... wenn man genügend spielt, solange man klein ist, dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann.
Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme, geheime Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer wird.
Was auch geschieht, was man auch erlebt, man hat diese Welt in seinem Innern, an die man sich halten kann.
Astrid Lindgren

Der Ü-4 Bereich

Der Ü - 4 Bereich

 

 

Bewegungsraum:

Die Bewegungserziehung ist nicht als isolierter Lernbereich zu verstehen, sondern sie spielt in der gesamten Persönlichkeitsentwicklung eine wesentliche Rolle.

Sie verfolgt eine große Zahl allgemeiner, lernbereichübergreifender Entwicklungsziele wie:

  • Ich- Stärke 
  • Soziale Reife
  • Sachkompetenz
  • Physische Gesundheit
  • Emotionale Sicherheit
  • Geschicklichkeit
  • Koordinationsvermögen
  • Signal-, Symbol- und Regelverständnis
  • Differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit
  • Differenzierte Ausdrucksfähigkeit
  • Fantasie und Kreativität 

Auch eine Vielzahl allgemeiner, nicht auf den Lernbereich beschränkter methodischer Prinzipien, finden in der Bewegungserziehung laufend Anwendung und Verwirklichung wie:

  • Ermutigen
  • Mit der individuellen Stärke arbeiten
  • Anstrengungsbereitschaft fördern
  • Zur Leistungsverbesserung motivieren
  • Wetteifer und Fairness in Einklang bringen
  • Helfen, ein guter Verlierer (und ein guter Gewinner) sein zu können
  • Bewegungsfreude wecken und erhalten
  • Bewegungsdrang befriedigen
  • Bewegungserfahrungen ermöglichen

Es ergeben sich aus den bisherigen Ausführungen eine Reihe von Konsequenzen für diesen besonderen Bildungsbereich und die Gestaltung der Bewegungserziehung in unserer Kita.  Auf die wichtigsten wollen wir in aller Kürze hinweisen:

  • Bewegung und Spiel darf in der Kita nicht auf eine bestimmte Zeit beschränkt werden. Wir ermöglichen Ihren Kindern ganztägige Bewegungsmöglichkeiten im internen, wie im externen Außenbereich, die dem Bedürfnis der Kinder nach freiem Spiel und Bewegung sehr entgegenkommen.
  • Alle vorhandenen materiellen und räumlichen Gegebenheiten können für Spiel und Bewegung genutzt werden. In den Funktionsräumen, im Flurbereich und Eingangsbereich, im Bewegungsraum bieten sich eben so wie in den Außenanlagen nebst angrenzenden Flächen (auch unser Waldgebiet, der vorbei fließende Bach) viele spannende Bewegungsanlässe.
  • Den Kindern soll ein variantenreiches und von ihnen selbst erweiterbares Bewegungsangebot gemacht werden. Ansatzpunkt der Bewegungserziehung sind dabei nicht Schwächen und Defizite, sondern Stärken und Wünschen der uns anvertrauten Kinder. Selbstverständlich kann auf einige Geräte und Materialien nicht verzichtet werden. Tätigkeiten wie Schaukeln, Schwingen und Klettern sind nur selten ohne spezifische Geräte möglich.

 

 

Die Baustelle - Bildungsbereich Bauen und Konstruieren

Der Bauraum ist ein wichtiger Bildungsbereich. Um verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten und Anreize zu bieten, stehen unterschiedliche Materialien zum Bauen, z.B. Naturbausteine, Duplo-Bausteine, Systembausteine und Konstruktionsspielzeug zur Verfügung. Um ein Überangebot zu vermeiden, besteht die Möglichkeit, Materialien auszutauschen.

Wir bieten den Kindern unterschiedliche Mengen von Materialien an. So entwickeln sie ein Gefühl von Menge und Masse und haben somit die Möglichkeit, den Begriff „viel“ konkret werden zu lassen und einen Zugang zur Welt der Zahlen zu erlangen.

Oder auch einfach mal nur, um in etwas so richtig wühlen zu können, die Hände und Arme darin komplett verschwinden zu lassen.
Beim Bauen von vertikalen und horizontalen Ebenen lernen die Kinder, die drei Dimensionen des Raumes zu verbinden. Somit setzen sie sich mit der von Erwachsenen gebauten Umwelt auseinander. Sie lernen geometrische Körper kennen und berücksichtigen beim Konstruieren physikalische Gesetze.

Durch die unterschiedliche Beschaffenheit und Größe von Materialien stimulieren sie ihre taktile Wahrnehmung, ihre Augen- Hand- Koordination, ihre Hand- und Feinmotorik und ihre Raumbeziehung. Die Präzession (Bewegung der Rotationsachse) wird geschult, die kindliche Neugierde wird geweckt bzw. wachgehalten, Wissbegierde und Forscherdrang werden aktiviert.

Die Kinder können im Bau- und Konstruktionsraum beim Bauen mit verschieden Materialien ihre Kreativität freien Lauf lassen, jedoch wird hier nicht nur die Kreativität des einzelnen Kindes gefördert, sondern auch soziale Kompetenzen, da die Kinder sich aussuchen können, ob sie mit anderen Kindern zusammen ihrer Fantasie freien Lauf lassen wollen.
Im Spiel mit Partnern, lernen sie sich abzusprechen, gemeinsam Pläne zu entwickeln, nach Lösungsmöglichkeiten suchen, sich abzuwechseln und Rücksicht zu nehmen. Eben alle Fähigkeiten, die sie im sozialen Miteinander brauchen.

 

Was genau fördert der Bau- und Konstruktionsraum?

Kognitive Förderung

  • Unterschiedliches Material erleben und begreifen
  • Formen und Farben erfahren
  • Fantasie entfalten beim bauen und Konstruieren
  • Entscheidungen treffen und auch Absprachen treffen
  • Logisches Denken fördern, planen
  • Sinneswahrnehmungen fördern: taktil, visuell, auditiv, vestibulär
  • Forschendes Lernen (wie hoch kann ich den Turm bauen, bis er fällt?)
  • Sprachförderung
  • Grundkenntnisse der Statik kennen lernen
  • Formlehre
  • Mathematik; Erfahrungen mit dem Gewicht machen (aufgrund versch. Materialien) (Langsames und Schnelles Fallen Beobachten)
  • Förderung der Konzentrationsfähigkeit
  • Feinmotorik: fördern des Umgangs mit kleinen und kleinsten Teilen
  • Grobmotorik: fördern des Umgangs mit großen und schweren Materialien
  • Raumerfahrung machen
  • Beschaffenheiten / Oberflächen

 

Pragmatisches Lernen:

  •  Experimentieren / Ausprobieren und Wiederholen
  •  Zuordnen
  •  Schaffen, Geschick, Bewegung
  •  Auftürmen, Stapeln, Zusammenstecken
  •  Begreifen durch eigenes Tun und Sicherheit im eigenen Tun erlangen
  •  Handlungskompetenz

 

Emotionale- / Soziale Ausprägung:

  • In Gemeinschaft etwas schaffen / sich aufeinander einlassen
  • Allein ausprobieren und nach eigenem Ermessen handeln
  • Erfolgserlebnisse erleben, teilen und auch Niederlagen erfahren
  • Persönlichkeitskompetenz: Wertschätzung der eigenen Arbeit
  • Organisieren, planen und Strukturieren von Vorhaben
  • Anwendung von Wissen und Sammeln neuer Erfahrungen
  • Von andern lernen: partnerschaftliches Miteinander
  • Geduld, Ausdauer
  • Gegenseitige Rücksichtnahme
  • Kooperation der Kinder: sich gegenseitig helfen / Tipps geben/ Ideen austauschen
  • Kompromisse eingehen
  • Freudige Spannung erfahren
  • Spielfreude und Neugier fördern
  • Spaß + Begeisterung

 

 

 

 

Der Forscherraum - Bildungsbereich Naturwissenschaften, Experimentieren

Forschen bietet den Kindern durch verschiedene Materialien die Möglichkeit ihre Fragen fast nahezu selbst zu beantworten. Ein Forscherraum für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren wird auf die Bedürfnisse eingerichtet. Das bedeutet, dass der Forscherraum so genutzt werden kann, dass es verschiedene Themen für eine bestimmte Zeit angeboten werden. Diese Themen suchen sich die Kinder selbst aus. Anschließend werden die dazu passenden Materialien zur Verfügung gestellt. Somit können die Kinder ggf. mit Hilfskarten selbst experimentieren und ihr Ergebnis präsentieren. Forschen heißt nicht, dass ein fertiges Produkt entsteht. Durch die Hilfskarten, kann jedes Kind sich ausprobieren. Dies heißt nicht, dass sich die Kinder daran halten  müssen. Jedes Kind hat seine eigenen kreativen Ideen und kann somit selbst ausprobieren was passiert, wenn man andere Materialien dazu nimmt. Jedes Kind ist ein Forscher.

 

Lernziele

Sozial Emotional:

  • Wertschätzung von unterschiedlichen  Ergebnissen der Kinder
  • Selbstvertrauen
  • Geduld um verschiedene Materialien auszuprobieren

 Fein und Grobmotorisch:

  • Umgang mit verschiedene Utensilien
  • Augen-Handkoordination
  • Einschätzung benötigter Kräfte
  • messen, wiegen und abschätzen von festen und flüssigen Materialien
  • Umgang mit verschiedene Materialien

Sprache:

  • Beschreiben ihres Vorgehens, Beobachtungen und Ergebnissen
  • Philosophieren über mögliche Erklärungen
  • Erweiterung des Wortschatzes durch nicht alltägliche Materialien

Materialienangebote wahrnehmen:

  • freies Experimentieren mit verschiedenen Materialien wie Soda, Backpulver, Essig, Farben, Licht und Schatten; Sand, Wasser etc.
  • Forschen und Experimentieren zu verschiedenen Themenschwerpunkten (Wasser, Luft, Farben, Licht, Schatten, Sand etc.)      
  • Experimentieren nach bildlicher Anleitung mit den vorgegebenen Materialien und Abläufen
  • Forschen und Experimentieren mit Hilfsmitteln (Waage, Pinzette, Pipette etc.)

 

 

 Die Kunstwerkstatt

In diesem atelierartig ausgestatteten Raum mit Werkstattcharakter entsteht der Freiraum für eigene Ideen, Kreativität und Selbständigkeit, die für die Entwicklung von großer Bedeutung ist. Das Kind soll die Möglichkeit bekommen, Interessen, Bedürfnisse und Erfahrungen kreativ zum Ausdruck zu bringen, bzw. kreativ zu verarbeiten. Malen, modellieren und werken helfen Kindern, Erlebnisse auszudrücken, die sie oftmals nicht in Worte fassen können oder welche sie unbewusst verarbeiten. Jedoch muss nicht zwingend am Ende einer Beschäftigung ein Ergebnis entstehen, sondern das Tätigsein an sich ist für die Entwicklung des Kindes ausschlaggebend. Es wichtig, das Angebot des Materials vielseitig zu halten und und dessen Anordnung für das Kind überschaubar zu halten. Dazu gehört allerdings auch, den verantwortungsvollen und teils sachgerechten Umgang mit den Materialien zu vermitteln. Damit dies gelingt und die Kinder die Vielfalt der Möglichkeiten nutzen und kombinieren können, stehen folgende kreative Bereiche zur Verfügung:

Nassfarbenbereich:

  • Fingerfarben
  • Acrylfarben
  • Aquarellfarben
  • Kleister-Farbe-Gemisch
  • Unterschiedliche Papiersorten
  • Strukturmaterial wie Kamm, Bürste, Siebe, Stempel etc.

Trockenfarbenbereich:

  • Buntstifte
  • Pastellkreiden
  • Wachsmalstifte und -blöcke
  • Straßenkreide
  • unterschiedliche Papiersorten                                                                                                                                                                  

In diesen Bereichen malen die Kinder an Tischen, der Staffelei, auf dem Boden, an den Wänden oder an den Fenstern. 

Textilbereich:

  • Wolle
  • Stoffe
  • Wandwebrahmen für alle Kinder
  • Einzel-Webrahmen
  • Häkeln/Stricken/Nähen
  • Filzen

 

 Bastel-/ Werkbereich klassisch:

  • Papier/Schere/Kleber/Kleister
  • wertfreies Material (Verpackungen, Bierdeckel, Schachteln etc.)
  • Naturmaterial
  • besonderes Material nach Bedarf

 

 Bereich Modellieren:

  • Ton
  • Knete
  • Pappmaschee
  • Sand/Lehm/Erde
  • Speckstein

 

Bereich für „angeleitete Tätigkeiten“:

Dieser Bereich soll den Kindern die Möglichkeit bieten, auf eigenen Wunsch hin, nach Anleitung zu arbeiten.    Hier stehen ihnen Bildvorlagen zur Verfügung, die einzelne Arbeitsschritte aufzeigen nach denen sie arbeiten müssen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.Ein Beispiel hierfür ist das Falten von Papier. Der "Hut", das "Schiff" oder das „Schnippschnapp“ kann nur entstehen, wenn bestimmte Arbeitsschritte in einer vorgegebenen und festgelegten Reihenfolge durchgeführt werden. Die Kinder lernen nach einem  Plan zu arbeiten und erfahren und erkennen die notwendige Logik einer Abfolge.

Langzeit-und Gemeinschaftsarbeiten/Projekte:

Hier können die Kinder über einen längeren Zeitraum, alleine oder gemeinsam an einer oder mehreren Sachen arbeiten. Sie entscheiden alleine, wie lange sie sich damit beschäftigen wollen und wann die Arbeit abgeschlossen ist.

 

Der Rollenspielraum 

„Du wärst wohl…“
Symbol- oder Rollenspiele beginnen bereits mit dem Beginn des zweiten Lebensjahres. Das Kind entwickelt die Fähigkeit, beobachtete oder erlebte Handlungen abzurufen und nachzuahmen.
Ab drei Jahren kommt zunehmend die Fähigkeit hinzu, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, zu wissen, dass andere Menschen eigene Bedürfnisse haben, aber auch, dass diese beeinflusst werden können.
Im Spiel werden Handlungen und Erlebnisse mit bereits gemachten Erfahrungen verknüpft und durch eigene Vorstellungen gedeutet. Dabei sind die Kinder zunehmend in der Lage, sich über ihre Rollen auszutauschen und Absprachen zu treffen.
Während die ersten Rollenspiele meistens Familiensituationen beinhalten, werden die Spiele mit zunehmendem Alter immer komplexer und vielfältiger mit Spielen aus dem Berufsleben (Krankenhaus, Feuerwehr, Büro), mit magischen Spielen (Hexen, Ritter), Tierfamilien usw.
Eine zunehmende Bedeutung erhält für die älteren Kinder das darstellende Spiel vor Zuschauern.
Neben der großen Bedeutung, die das Rollenspiel für die sprachliche Entwicklung der Kinder hat, ist besonders auch die Förderung der sozialen Kompetenz zu sehen. Kinder lernen hier nicht nur, die Ideen und Wünsche ihrer Mitspieler wahrzunehmen und zu berücksichtigen, sondern sie haben auch die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Rollen und Verhaltensmuster auszuprobieren.
Rollenspiel findet für Kinder in der Kita immer und überall statt, sei es, dass ein Turm gebaut und mit Dinosauriern belebt wird, oder in der Bewegungslandschaft Pferde über einen Hindernisparcours springen. Dennoch benötigen die Kinder einen besonderen Raum, in dem sie ein Rollenspiel über einen längeren Zeitraum und ungestört entwickeln können.
Als Rollenspielraum für den Ü4-Bereich wird der Nebenraum der Mäusegruppe fungieren.
Im hinteren Bereich des Raumes wird ein Podest installiert, das als Bühne genutzt werden kann. Wünschenswerterweise lässt sich dieser Bereich durch einen Vorhang abtrennen.
Im vorderen Bereich werden Regale oder Schränke und ein Kleiderständer stehen. In diesen finden unterschiedliche, möglichst vielseitig nutzbare Materialen Platz (Decken, Tücher, Kopfbedeckungen, Küchenutensilien, Büromaterial, Muggelsteine, Schmuck…) Utensilien zu einzelnen Themenbereichen werden in Boxen aufbewahrt und können nach Bedarf ins Spiel einbezogen werden.
Auch das weitere Mobiliar sollte möglichst wenig ausgearbeitet sein, um vielseitig nutzbar zu sein (Bausteinhocker, Pikler?)
Im vorderen Bereich am Fenster wird ein Ruheplatz eingerichtet, der es Kindern ermöglicht, sich zurückzuziehen und zu beobachten.
Neben dem freien Rollenspiel sollen die Kinder auch die Möglichkeit haben, mit Kasperlepuppen, Schattentheater u.ä. zu spielen. Entsprechende Requisiten werden bereitgehalten. 

 

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